Zoom: Kompaktheit & Leichtigkeit vs. Flexibilität & Lichtstärke
In diesem Beitrag stehen zwei Standard Zoom Objektive im Fokus:
- Sony SEL2860 (28-60mm f/4-5.6)
- Sigma 28-70mm f/2.8 Contemporary.
Beide Linsen bieten unterschiedliche Ansätze. Obwohl das leichte Sony-Objektiv oft im Kit mit den Alpha-Kameras verkauft wird, kann es eine solide Alternative sein – besonders für den gelegentlichen Gebrauch und ein kompaktes Setup. Doch wo liegen die wesentlichen Unterschiede, und für wen eignet sich welches Objektiv?
Anwendungsbereich und Zielgruppen
Beide Objektive decken den typischen Brennweitenbereich ab, den viele als „Allrounder“ bezeichnen würden. Doch je nach Anwendungsgebiet bieten sie unterschiedliche Vorteile.
– Sony SEL2860: Das SEL2860 ist ideal für jene, die auf Gewicht und kompakte Größe angewiesen sind. Die geringe Lichtstärke (f/4-5.6) bedeutet, dass es vor allem bei Tageslicht und gut beleuchteten Innenräumen glänzt. Reisefotografen und Gelegenheitsfotografen, die hauptsächlich Landschaften, Architektur oder auch Porträts aufnehmen, werden hier besonders angesprochen.
– Sigma 28-70mm f/2.8 Contemporary: Im Gegensatz dazu richtet sich das Sigma mit einer konstanten Blende von f/2.8 an Fotografen, die ein leistungsstarkes Objektiv für vielseitige Anwendungen suchen. Ob in Innenräumen, bei Porträts oder im Low-Light-Bereich – das Sigma liefert ein flexibleres, professionelleres Ergebnis. Hier sind ambitionierte Hobbyfotografen oder semi-professionelle Nutzer die Hauptzielgruppe, die bei geringeren Lichtbedingungen fotografieren möchten und weniger Gewicht als das übliche 24-70mm f/2.8 Objektiv suchen.
Technische Unterschiede und Besonderheiten
In der technischen Analyse gibt es einige deutliche Unterschiede, die das Handling und die Bildqualität stark beeinflussen:
Hersteller | Sony | Sigma |
---|---|---|
Modell | FE 28-60 mm F4-5.6 (SEL2860) | 28-70 mm F2.8 DG DN Contemporary |
Markteinführung | Jan. 21 | März 21 |
Gebraucht-Preis | ab ca. 170€ | ab ca. 600€ |
Brennweitenbereich | 28-60 mm | 28-70 mm |
Bajonett | E-Mount | E-Mount |
L-Mount | ||
Lichtstärke | F4 bis F5,6 | F2,8 (durchgängig) |
Kleinste Blendenöffnung | F32 | F22 |
Anzahl Blendenlamellen | 7 | 9 |
Innenfokussierung | ja | ja |
Linsensystem | 8 Linsen in 7 Gruppen | 16 Linsen in 12 Gruppen |
Wasser-/Staubschutz | ja | nein |
Naheinstellgrenze | 30 – 45 cm | 19 – 38 cm |
Filtergewinde | 40,5 mm | 67 mm |
Besonderheiten | Parkposition, Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser | Staub/Spritzwasserschutz nur am Anschluss, Gegenlichtblende |
Abmessungen (Ø x Länge) | 45 x 67 mm | 72 x 102 mm |
Gewicht | 167 g | 470 g |
Lichtstärke
Das wohl markanteste Unterscheidungsmerkmal ist die Lichtstärke. Die konstante Blende von f/2.8 beim Sigma ermöglicht eine deutlich höhere Lichtaufnahme und damit bessere Resultate in dunklen Umgebungen und eine stärkere Freistellung (Bokeh-Effekt). Das SEL2860 hingegen bringt bei optimalem Tageslicht gute Ergebnisse, doch die limitierte Blende macht es in der Nacht oder bei wenig Licht weniger effektiv. Eine große Lichtstärke ist auch ein Maß für das Bokeh. Je größer sie ist, desto weicher ist das Bokeh und die Fähigkeit ein fokussiertes Objekt freizustellen.


Somit ist die Freistellungsfähigkeit des kompakten Sony Objektives begrenzt.
Größe und Gewicht
Das SEL2860 punktet hier besonders: Es ist kompakter und mit gerade einmal 167 g leicht, was für das Tragen auf längeren Reisen und für kompakte Aufbauten praktisch ist. Das Sigma wiegt mit etwa 470 g zwar mehr, bleibt aber im Vergleich zu anderen f/2.8-Objektiven leicht und handlich.
Bildqualität
Schärfe und Kontrast sind bei beiden Objektiven gut, doch das Sigma zeigt in den meisten Tests eine etwas bessere Leistung bei Offenblende und in den Randbereichen(hier: bei Blende 4 und 5.6 im direkten Vergleich). Dies wird besonders bei detailreichen Szenen und in Low-Light-Bedingungen sichtbar, wo das SEL2860 aufgrund der kleineren Blende an seine Grenzen kommt.
Unten in der Bildergalerie sind 200% Ausschnitte und Vergleiche bei sehr guten Lichtverhältnissen zu sehen. Die Klinkerwand wurde aus ca. 3m Entfernung fotografiert. Die Hauswand aus ca. 30m Entfernung abgelichtet. Links ist jeweils das Sony Objektiv zu sehen. Der Schärfe Unterschied zwischen den beiden Objektiven ist sehr gering! Wenn auch das Sigma minimal bessere Kontraste liefert.
Verarbeitungsqualität
Leichtigkeit und Kompaktheit gehen sicher auch zu Lasten der Haptik des kleinen Sonyobjektives. Es ist gefühlt eine kleine „Plastikscherbe“. In wie weit das deshalb zu einer verminderten Haltbarkeit führen wird, kann nur die Zukunft zeigen. Die Leistung stimmt jedenfalls!!! Beide Objektive sind bei mir seit ca. einem Jahr im Einsatz und zeigen diesbezüglich eine gute bis sehr gute Leistung.
Empfehlung
Zusammengefasst gibt es zwar ein günstiges und teures jedoch kein „besseres“ oder „schlechteres“ Objektiv – vielmehr hängt die Wahl von den jeweiligen Prioritäten ab:
– Für Reisefotografen und Gelegenheitsnutzer: Das Sony SEL2860 ist ideal für diejenigen, die ein leichtes Setup und gute Tageslicht-Performance suchen. Es erfüllt die Ansprüche vieler Hobbyfotografen und lässt sich bequem mit der Kamera verstauen und mitführen.
– Für ambitionierte Nutzer und Profis: Das Sigma 28-70mm f/2.8 Contemporary ist die bessere Wahl für Anwender, die Flexibilität bei allen Lichtverhältnissen und eine höhere Bildqualität suchen. Es eignet sich ideal für Porträts, Low-Light-Szenen und Indoor-Shootings.
Fazit
Beide Objektive bieten eine hohe Qualität für ihren jeweiligen Zweck, doch die Wahl hängt letztlich davon ab, welche Aspekte der Fotografie einem wichtig sind: Kompaktheit und Leichtigkeit oder Flexibilität und Lichtstärke.