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35mm – eine weitere Testrunde

Fotografie
von Dr. Tom Kießner
9. Januar 2022

Ich habe hier auf der Seite schon einmal

über 35mm Objektive berichtet. Das verwundert nicht, wenn man weiß, dass 35mm Brennweite DIE Streetfotografie-Linse ist und  Hersteller jedes Jahr neue Modelle auf den Markt werfen. Interessant werden sie für mich dann, wenn sie klein und lichtstark sind.  Dabei können sie ruhig manuell sein. Also i.d.R keine Übertragung von Exif Daten vom Objektiv zur Kamera geschieht und Blende sowie Entfernung selbst einzustellen ist. Das kleine Ultron 35/2.0 habe ich vor kurzem selbst gekauft. Die anderen 35iger habe ich zur Verfügung gestellt bekommen. Wenn Du mehr Bilder von manuellen Objektiven sehen möchtest, dann schau hier nach bei manni_k23 auf Instagram nach.

  1. Voigtländer Ultron 35mm 1.7 
  2. Voigtländer Ultron 35mm 2.0 II
  3. Carl Zeiss Distagon 2.8/35 HFT
  4. Minolta MD Rokkor 35/1.8
  5. Sigma 28-70 2.8 DG DN contemporary

 

Diese Objektive wurden unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet:

Bokeh - Sunstars  - Schärfe

Bei den ersten vier Objektiven handelt es sich um mechanische Vollformat 35mm Objektive mit unterschiedliche Anschlüssen und schon fast historischem Alter (zumindest aus technischer Sicht). Das Fünfte im Bunde ist lediglich zum Vergleich eine modernes Zoom mit E-Mount passend zur Testkamera (Sony A 7 III). Es hat mich halt interessiert, wie ein Zoom zu Festbrennweiten abschneidet.  

Tabelle der Objektive

Bokeh

Alle Objektive wurden mit entsprechendem Adapter an eine Sony A 7 III getestet. Die Einstellungen waren

ISO 200 Offenblende

Das Zeiss und das Minolta haben nur je sechs Blendenlamellen. Die Voigtländer Objektive verfügen über zehn Lamellen, das Sigma über neun. Erfahrungen mit anderen alten Objektiven zeigen, dass ältere Objektive häufig etwas unruhige Bokehs abliefern – s.g. Swirl. Das bestätigt sich auch in diesem Falle. Man kann sagen, dass je moderner die Linsen sind, desto weicher ist das Bokeh. 

Im Überblick sieht man, dass das Bokeh schon sehr unterschiedlichen Charakter haben kann (Minolta!). Die Reihenfolge der Bilder entspricht immer der o.g. Liste. 

Sunstars

Voigtländer Objektive sind besonders bekannt und sicher auch beliebt für klare Sonnensterne. Diese Exemplare machen keine Ausnahme. Beide Ultrons unterscheiden sich nicht in Bezug auf Sunstars. Bei den älteren Linsen sind die Sterne auf Grund der kleineren Lamellenzahl weniger gezackt und nicht so klar. Alle Aufnahmen wurden ca. 2-3 Sekunden belichtet bei Blende 8 und Iso 200. Beim Sigma Zoom sind die Lichtsterne nicht ausgeprägt.

Schärfe

Die Abbildungsqualität ist das Wichtigste überhaupt bei einem Objektiv – hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein  Objektiv sollte über eine knackige Schärfe, auch in den Rändern und bei geöffneter Blende, verfügen. Die realitätsgetreue Farb- und Kontrastwiedergabe ist wichtig. Ein gutes  Objektiv hat auch wenig Verzeichnung, das Bild verzerrt also nicht zu sehr tonnen- oder kissenförmig und hat beim Softwareausgleich weniger Beschnittverluste. Auch die Randabschattung (Vignettierung) sollte nicht über mehreren Blendenstufen liegen.  Je weniger Flares im Gegenlicht auftreten, desto besser. Wobei ein gewisses Maß an Flares und Unschärfe (Glow) u. U. bei Portraitsituation durchaus sinnvoll sein kann. In Lightroom kann man  Verzeichnung, Farb-, Kontrastwiedergabe und die Vignettierung gut bearbeiten und (fast) kompensieren.

Ich ich habe mich hier  mit der Schärfe bei Offenblende und Blend 5.6 beschäftigt. Dabei war es spannend zu sehen, wie sich die Schärfe von der Mitte des Bildes zum Rand hin entwickelt. Es wurden je drei Ausschnitte (300%) bei Offenblende und Blende 5.6 gewählt (s. Bild)

Bei Offenblende sind alle Objektive mittig scharf und kontrastreich. Wenn auch die Kandidaten 3 u. 4. (ältere Objektive) bei den Microkontrasten etwas schwächeln. Aber vielleicht ist diese Eigenschaft bei Portraits sogar erwünscht.

Zum Rand lassen alle Festbrennweiten bei Offenblende nach, während das Sigma Zoom auch(!) schon bei Offenblende im Randbereich gute Ergebnisse liefert. Die Vignettierung kann in Lightroom zwar kompensiert werden, führt aber neben der Unschärfe zu einem zusätzlichen Rauschen. Abblenden ist also bei Schärfe auch im Randbereich das Mittel der Wahl.

Fazit

Der Adapter für Leica M Mount an Sony E Mount sind gerade mal 10mm dick. Dieser Adapter fällt also bei E Mount Kameras kaum störend auf. Deshalb sind kleine M Mount Objektive sehr gut an Sony oder auch anderen spiegellosen Kameras ausbalanciert.   Je nach gewählter Blende ist die Bildqualität der betrachteten Objektive gut bis sehr gut. Auch bei Offenblende bieten sie beste Voraussetzung (für jeden Geldbeutel!), um tolle Street- oder Portrait-Fotos zu machen.

Bei der Untersuchung der Voigtländerlinsen an einer Leica M ist mir aufgefallen, dass die Schärfe über die Bilddiagonale im Vergleich zur Sony 7 a III anders ist. Ich werde demnächst darüber berichten.